Schweiz
Off-Grid in der Schweiz misst Distanz in Höhenmetern, nicht in Kilometern: Alp, Waldgrenze und kantonales Recht bestimmen, wie weit du wirklich rauskommst.
Von Steve Baka · Veröffentlicht · Aktualisiert
Die Schweiz ist das europäische Land, in dem Distanz am schnellsten steigt statt sich zu strecken. Zwischen letzter Postautohaltestelle und Alp liegen selten mehr als zwölf Kilometer, aber oft achthundert Höhenmeter — und genau dort endet das Netz. Rechtlich ist der Zugang zu Wald und Weide grosszügig, das Übernachten dagegen kantonal reguliert. OFF GRID kuratiert derzeit genau einen geprüften Ort auf Schweizer Boden.
Wichtigste Punkte
Distanz ist hier vertikal: Höhenmeter ersetzen Kilometer.
Artikel 699 ZGB öffnet Wald und Weide — er erlaubt kein Campieren.
Nationalpark, Jagdbanngebiete und Wildruhezonen sind tabu, ohne Ermessensspielraum.
Eine einzelne Nacht über der Waldgrenze wird meist geduldet, nicht garantiert.
Unser Schweizer Bestand ist dünn. Wir sagen das, statt ihn aufzufüllen.
Inhalt
- Wie weit kommst du in der Schweiz wirklich raus?
- Was sagt Schweizer Recht zum Übernachten in der Natur?
- Wo ist freies Campieren ausdrücklich verboten?
- Welche Off-Grid-Orte hat OFF GRID in der Schweiz kuratiert?
- Welche grenznahen Alternativen tragen dieselbe Distanzlogik?
- Welche Landschaftstypen bestimmen die Schweizer Distanz?
- Wie funktioniert Autarkie in Schweizer Höhenlagen?
- Wann ist die beste Zeit für Off-Grid in der Schweiz?
- Wie kommst du ohne Auto an den Rand des Netzes?
- Woran erkennst du eine ehrliche Schweizer Unterkunft?
- Was solltest du vor der Buchung klären?
Wie weit kommst du in der Schweiz wirklich raus?
In der Schweiz entsteht Distanz vertikal. Wer die Karte flach liest, hält das Land für erschlossen: dichtes Bahnnetz, Postauto bis in Seitentäler, kaum ein Punkt weiter als dreissig Kilometer von einer grösseren Ortschaft. Wer sie in Höhenlinien liest, sieht das Gegenteil. Zwischen der letzten Kehre einer Alpstrasse und einer bewirtschafteten Alp liegen regelmässig zwei Gehstunden und achthundert Höhenmeter. Auf dieser Strecke verschwindet erst der Gegenverkehr, dann die Beleuchtung, dann die Funkzelle.
Diese Vertikalität macht die Schweiz zu einem Sonderfall der europäischen Distanzlogik. In Schweden entsteht Abstand durch Fläche, in Norwegen durch Fjordgeometrie und Breitengrad, in der Schweiz durch Steigung. Das hat eine praktische Konsequenz: Die Frage „Wie weit willst du raus?" beantwortet sich hier nicht über die Anreisedauer, sondern über den letzten Abschnitt. Eine Alp, die nur über einen Karrenweg erreichbar ist, liegt gefühlt weiter draussen als ein schwedisches Haus, zu dem zwei Stunden Schotterpiste führen — obwohl die Landkarte etwas anderes behauptet.
Für die Planung heisst das: Der interessante Wert ist nicht die Entfernung zur Autobahn, sondern die Differenz zwischen letztem befahrbarem Punkt und Unterkunft. Ab etwa dreihundert Höhenmetern Zustieg verändert sich das Verhalten von Gästen messbar. Man verlässt die Hütte abends nicht mehr „schnell nochmal", man plant Einkäufe in Tagesrationen, man akzeptiert das Wetter statt es zu umgehen. Das ist Entschleunigung durch Topografie, nicht durch Programm.
Gleichzeitig bleibt die Schweiz ein Land mit hoher Rettungsdichte. Wer über der Waldgrenze schläft, ist selten mehr als eine Flugstunde von Hilfe entfernt. Diese Kombination — echte Abgeschiedenheit bei funktionierender Notfallinfrastruktur — ist selten und einer der Gründe, warum alpines Biwakieren hier eine so lange Kulturgeschichte hat.
Was sagt Schweizer Recht zum Übernachten in der Natur?
Die rechtliche Grundlage ist grosszügig beim Zutritt und zurückhaltend beim Bleiben. Artikel 699 des Zivilgesetzbuchs stellt Wald und Weide grundsätzlich jedermann offen. Dieser Artikel regelt aber das Betreten und das Sammeln, nicht das Übernachten. Sobald ein Zelt steht, greift nicht mehr Bundeszivilrecht, sondern kantonales und kommunales Recht — und das ist in der Schweiz bewusst uneinheitlich.
Der Schweizer Alpen-Club formuliert den praktischen Konsens am klarsten: Die Rechtslage ist nicht einheitlich, Einschränkungen können je nach Kanton oder Gemeinde gelten, und wo keine gegenteilige Regelung besteht, ist eine einzelne Übernachtung einer kleinen Anzahl Personen im Gebirge oberhalb der Waldgrenze in der Regel unproblematisch — wenn sie rücksichtsvoll erfolgt. Das ist keine Erlaubnis, sondern eine Duldung. Der Unterschied ist wichtig, weil eine Duldung von der Gemeinde jederzeit eingeschränkt werden kann und weil sie sich nicht auf Fahrzeuge erstreckt.
Ein Notbiwak ist davon getrennt zu betrachten und generell erlaubt. Wer durch Wettersturz, Erschöpfung oder Verletzung nicht mehr absteigen kann, darf bleiben. Diese Regel ist ein Sicherheitsinstrument, kein Planungsinstrument. Sie im Voraus einzukalkulieren, kehrt ihre Logik um.
Für Fahrzeuge gilt eine deutlich engere Auslegung. Ein Campervan auf einem Alpparkplatz ist kein Biwak, sondern in vielen Gemeinden eine bewilligungspflichtige Sondernutzung. Wer im Wagen übernachten will, braucht einen ausgewiesenen Platz oder die ausdrückliche Zustimmung von Grundeigentümerin oder Gemeinde. Bussen bewegen sich je nach Kanton und Schutzstatus im dreistelligen bis vierstelligen Franken-Bereich, mit deutlicher Steigerung in geschützten Gebieten.
Der ehrlichste Satz zur Schweizer Rechtslage lautet deshalb: Es gibt keine landesweite Antwort. Es gibt eine Gemeinde, die du vor der Fahrt fragen kannst. Wer das als Umstand empfindet, hat Wildcamping in der Schweiz vermutlich falsch eingeschätzt.
Wo ist freies Campieren ausdrücklich verboten?
In vier Gebietstypen endet jedes Ermessen. Im Schweizerischen Nationalpark im Engadin ist freies Campieren untersagt; der Park kennt ein striktes Wegegebot und ist der am konsequentesten geschützte Raum der Alpen. In den eidgenössischen Jagdbanngebieten — dem Bundesinventar der Wildschutzgebiete — ist Übernachten ausgeschlossen oder durch Betretungsverbote faktisch unmöglich. Viele kantonale Naturschutzgebiete enthalten eigene Campierverbote. Und in Wildruhezonen gilt während der Schutzzeit ein Betretungsverbot, das sich nicht auf Wege beschränken lässt.
Die Wildruhezonen sind der Punkt, an dem die meisten Gäste aus dem Ausland straucheln, weil das Instrument in Deutschland und Österreich so nicht existiert. Diese Zonen schützen Rothirsch, Gämse und vor allem Raufusshühner in der energetisch kritischen Winterphase. Eine einzige Störung kann bei Auerhuhn oder Birkhuhn Fluchtreaktionen auslösen, die im Winter über Leben und Tod entscheiden. Die Schutzzeiten sind kartiert und öffentlich einsehbar; sie decken in vielen Gebieten den gesamten Zeitraum von Dezember bis Ende Juli ab, weil auf die Winterruhe die Brutzeit folgt.
Der Schweizer Alpen-Club nennt zusätzlich Bereiche, die man auch ausserhalb formaler Verbote meiden sollte: die obere Waldgrenze als Lebensraum der Raufusshühner und Äsungsfläche des Schalenwilds sowie Auen und Feuchtgebiete. Das ist keine juristische, sondern eine ökologische Grenze — und sie fällt ausgerechnet mit dem Höhenband zusammen, das Biwakierende als besonders attraktiv empfinden.
Wer in der Nähe von Alp- oder Berghütten übernachtet, fragt beim Alpbetrieb oder Hüttenteam nach. Das ist kein Höflichkeitsritual. Alpweiden sind bewirtschaftete Flächen mit Vieh, Zäunen, Herdenschutzhunden und Wasserfassungen, und ein Zelt an der falschen Stelle wird schnell zum betrieblichen Problem.
Welche Off-Grid-Orte hat OFF GRID in der Schweiz kuratiert?
Einen. Die Alphütte Birbäumli in Luthern im Kanton Luzern ist derzeit der einzige geprüfte Ort in unserem Bestand, der tatsächlich auf Schweizer Boden steht. Sie liegt im Napfgebiet am Rand des Luzerner Hinterlands, die Zufahrt ist bis auf die letzten Meter betoniert, das Dorf Luthern ist mit dem Auto in einer knappen Viertelstunde erreichbar, und der Blick geht Richtung Napf, Pilatus und ins Mittelland. Zwei Gäste, eine kleine Alp, keine Ausstattungsorgie. Das ist Off Grid Light in seiner ehrlichsten Form: nah genug für einen ersten Versuch, weit genug, dass der Abend anders klingt.
Wir könnten diese Seite voller machen. Unter der Landesmarkierung Schweiz laufen in unserem Bestand weitere Objekte, die geografisch im deutschen Allgäu, im Hochrheingebiet oder in Österreich stehen. Sie hier als Schweizer Inventar zu präsentieren, wäre bequem und falsch. Der Off Grid Score verliert seinen Sinn, wenn schon das Land nicht stimmt.
Deshalb die offene Aussage: Unser Schweizer Bestand ist dünn. Er wächst nur über Betreiberinnen und Betreiber, die uns ihre Alp, ihr Maiensäss oder ihre Waldhütte zeigen und deren Angaben wir prüfen können. Solange ein Ort nicht belegt ist, zeigen wir keinen Score — auch dann nicht, wenn ein plausibler Wert leicht zu schätzen wäre. Für die Schweiz bedeutet das aktuell: ein geprüfter Ort, kein veröffentlichter Score, und eine Seite, die ihre Lücke benennt statt sie zu kaschieren.
Wer die Schweiz trotzdem über unser Angebot sucht, filtert am besten direkt: Hub Schweiz zeigt alles, was unter der Landesmarkierung läuft, Entdecken erlaubt die Eingrenzung nach Merkmalen wie Alleinlage oder Berghütte.
Welche grenznahen Alternativen tragen dieselbe Distanzlogik?
Vier Orte in unserem Bestand liegen so nah an der Grenze, dass sie dieselbe Landschaft bedienen — nur eben nicht auf Schweizer Hoheitsgebiet. Wir nennen sie beim richtigen Namen.
Die Almhütte bei Gailingen am Hochrhein steht auf der deutschen Seite des Hochrheins, unmittelbar gegenüber dem Kanton Schaffhausen. Wer die Rheinschlaufe und den Randen als Landschaftsraum sucht, ist hier faktisch am selben Ort, nur mit anderer Postleitzahl. Die Allgäuer Jurte in Grünenbach und die ausgebaute Gartenhütte bei Immenstadt liegen im Allgäu, gut eine Autostunde von Bregenz und dem östlichen Bodenseeufer. Der Waxerhof im Allgäu ergänzt das Bild mit Holzofen, Seelage und ruhigem Nachthimmel.
Diese Orte ersetzen keine Schweizer Alp. Die Voralpen des Allgäus liegen zweihundert bis vierhundert Höhenmeter tiefer als vergleichbare Schweizer Lagen, die Waldgrenze fehlt als Erlebnisschwelle, und das rechtliche Umfeld ist ein anderes: In Bayern ist Zelten in der freien Landschaft ohne Zustimmung der Grundeigentümerin verboten, die Duldung über der Waldgrenze existiert mangels Waldgrenze schlicht nicht.
Was sie leisten, ist etwas anderes: Sie zeigen, dass die gleiche Reisemotivation — Rückzug, Ruhe, klare Nächte — auch ohne Alpenpass funktioniert. Wer das Schweizer Höhenerlebnis sucht, findet in Österreich vergleichbare Vertikalität; wer vor allem Ruhe und kurze Anreise will, wird in Deutschland schneller fündig.
Welche Landschaftstypen bestimmen die Schweizer Distanz?
Vier Raumtypen tragen praktisch das gesamte Off-Grid-Angebot der Schweiz. Die Alp ist der wichtigste: eine sommerlich bewirtschaftete Weidefläche mit Hütte, meist zwischen 1200 und 2000 Metern, oft ohne Netzanschluss, häufig mit Quellwasser und Holzheizung. Alpen sind Arbeitsorte, keine Ferienarchitektur, und genau das macht sie glaubwürdig.
Das Maiensäss ist die Zwischenstufe, vor allem in Graubünden und im Wallis: ein Gebäude auf halber Höhe zwischen Dorf und Alp, historisch für die Übergangsweide im Frühjahr und Herbst genutzt. Viele dieser Bauten sind heute Ferienobjekte, und sie liefern die vielleicht beste Balance aus Abgeschiedenheit und Praktikabilität — abseits genug, erreichbar genug.
Der dritte Typ ist die Berghütte im engeren Sinn, also die bewartete oder unbewartete Hütte über der Waldgrenze. Sie ist Infrastruktur für den Bergsport, kein Rückzugsraum für zwei, und wer sie als Ruheort bucht, wird von Tourengruppen um fünf Uhr morgens eines Besseren belehrt.
Der vierte Typ wird unterschätzt: der Jura. Napf, Emmental und Juraketten bieten dichte Wälder, Karsthochflächen, sehr geringe Siedlungsdichte und eine Nachthimmelqualität, die in den Voralpen selten ist. Hier liegt auch unser einziger geprüfter Schweizer Ort. Der Jura ist die realistische Antwort für alle, die Alleinlage wollen, ohne alpine Ausrüstung mitzubringen.
Wie funktioniert Autarkie in Schweizer Höhenlagen?
Die Höhe verschärft jede Versorgungsfrage. Solarertrag ist im Alpenraum im Sommer hervorragend und im Dezember bei tiefstehender Sonne, Nebelgrenzen und Schneeauflage auf den Modulen unzuverlässig. Eine Anlage, die im Juli den Kühlschrank trägt, liefert im Januar möglicherweise nicht genug für Licht und Pumpe. Deshalb ist die entscheidende Frage bei jedem Schweizer Objekt nicht, ob eine Insel-Solaranlage vorhanden ist, sondern wie geheizt und wie gekocht wird, wenn sie nichts liefert.
Wasser ist der zweite Punkt. Viele Alpen beziehen Quellwasser aus einer gefassten Quelle. Das ist qualitativ oft ausgezeichnet, aber saisonal schwankend: In trockenen Sommern fallen einzelne Quellen, in Frostperioden frieren Leitungen. Eine ehrliche Unterkunftsbeschreibung nennt die Quelle, den typischen Ausfallzeitraum und die Rückfalloption.
Der dritte Punkt ist Abwasser. Wo kein Anschluss existiert, braucht es eine Lösung für Grauwasser und eine funktionierende Trockentrenn- oder Kompostvariante für Fäkalien. Alpine Böden bauen organisches Material extrem langsam ab; eine Sickergrube, die im Flachland unauffällig bleibt, wird auf 1800 Metern zum dauerhaften Eintrag.
Heizung schliesslich entscheidet über die Saison. Ein Holzofen mit gesichertem Brennholzvorrat macht aus einer Sommerhütte ein Ganzjahresobjekt. Ohne ihn endet die nutzbare Zeit dort, wo die Nächte unter fünf Grad fallen — in Höhenlagen also bereits im September.
Wann ist die beste Zeit für Off-Grid in der Schweiz?
Die verlässliche Hochsaison für Höhenlagen liegt zwischen Ende Juni und Mitte Oktober. Vorher sind Alpwege häufig noch schneebedeckt oder von Lawinenresten blockiert, Alpbetriebe sind nicht aufgefahren, und Wasserleitungen sind nicht in Betrieb. Nachher schliessen die meisten Alpen mit dem Alpabzug.
Der Juli bringt lange Tage und stabile Wege, aber auch die höchste Gewitterfrequenz. Alpine Wärmegewitter entstehen im Tagesverlauf und treffen exponierte Lagen mit wenig Vorwarnung; der Alpenverein warnt ausdrücklich vor dem Campieren auf Kuppen und Graten bei Gewitterlage. Wer im Hochsommer geht, plant den Zustieg vormittags.
Der September ist die beste Zeit für Distanzerlebnis. Die Luft ist klar, die Bergbahnen leeren sich, die Nächte sind lang genug für echte Dunkelheit, und die Alpbetriebe sind noch aktiv. Das ist auch das Fenster für Dark Sky-Nächte: kurze Dämmerung, geringe Luftfeuchte, und in den inneralpinen Tälern eine Lichtverschmutzung, die deutlich unter dem mitteleuropäischen Durchschnitt liegt.
Der Winter ist kein Ausschlusskriterium, aber ein Kategoriewechsel. Wer im Januar auf eine unbewirtschaftete Alp will, braucht Lawinenbeurteilung, Zustiegsplanung bei Dunkelheit, Brennholz vor Ort und die Bereitschaft, eine Wildruhezone weiträumig zu umgehen. Das ist kein Urlaub mit Ausrüstung, sondern eine Tour mit Übernachtung.
Wie kommst du ohne Auto an den Rand des Netzes?
Besser als in fast jedem anderen Alpenland. Die Schweiz ist das einzige Land Europas, in dem sich ein Off-Grid-Aufenthalt in der Regel vollständig ohne Auto organisieren lässt. Das Postauto erschliesst Seitentäler bis auf Talschlusshöhe, Bahnen fahren getaktet, und die letzte Etappe ist ohnehin zu Fuss vorgesehen.
Praktisch heisst das: Bahn bis ins Tal, Postauto bis zur letzten Haltestelle, Zustieg. Wer diese Kette plant, sollte zwei Dinge prüfen. Erstens die Betriebszeiten: Viele Alpkurse fahren nur in der Sommersaison und oft nur wenige Male täglich, der letzte Kurs abends kann vor 17 Uhr liegen. Zweitens das Gepäck: Ein Zustieg mit Verpflegung für vier Tage wiegt anders als ein Tagesrucksack, und eine Alp ohne Laden bedeutet vollständige Selbstversorgung.
Das offizielle Routennetz von SchweizMobil ist die praktikabelste Planungsgrundlage, weil es Wanderwege, Zustiegszeiten und Anschlüsse an den öffentlichen Verkehr zusammenführt. Für Objekte mit dem Merkmal nur zu Fuss ist es die Voraussetzung einer realistischen Ankunftsplanung — und nebenbei der beste Beleg dafür, dass Distanz in der Schweiz nichts mit Motorisierung zu tun hat.
Woran erkennst du eine ehrliche Schweizer Unterkunft?
An vier Angaben, die eine seriöse Beschreibung von selbst liefert. Die erste ist der letzte befahrbare Punkt mit Koordinate und die Gehzeit von dort. Formulierungen wie „gut erreichbar" sind wertlos; „Parkplatz Alpstrasse, 45 Minuten Aufstieg, 320 Höhenmeter" ist eine Angabe.
Die zweite ist die Empfangslage. Ohne Handyempfang ist in Schweizer Höhenlagen häufiger, als es die Netzabdeckungskarten vermuten lassen, weil Talkessel und Gratlagen stark abschatten. Ein Betrieb, der schreibt, in welchem Netz und an welcher Stelle Empfang existiert, hilft mehr als eine Versprechung in beide Richtungen.
Die dritte ist die Wasserversorgung mit Herkunft und Ausfallszenario. Die vierte ist die Heizung mit Brennstoff und Vorratslage. Wer diese vier Punkte beantwortet, beschreibt einen Ort. Wer stattdessen Atmosphäre beschreibt, verkauft ein Gefühl.
Wir veröffentlichen keine Zahl, die wir nicht belegen können. Für den Schweizer Bestand bedeutet das derzeit: kein sichtbarer Score, weil die Angaben nicht geprüft sind. Diese Zurückhaltung ist unbequem, aber sie ist der einzige Grund, warum ein veröffentlichter Score später etwas wert ist. Wie die Off Grid Levels zustande kommen und was sie messen, steht in der Methodik — nicht in der Landeswerbung.
Was solltest du vor der Buchung klären?
Sechs Punkte, in dieser Reihenfolge. Erstens die Gemeinde: Wenn du planst, irgendwann neben der Unterkunft zu zelten oder im Fahrzeug zu übernachten, kläre die kommunale Regelung vorher. Eine Mail an die Gemeindeverwaltung kostet fünf Minuten und ersetzt jede Foreninterpretation.
Zweitens die Schutzgebietslage: Prüfe auf der Wildruhezonen-Karte, ob deine geplanten Wege in der Schutzzeit liegen. Drittens die Zustiegszeit bei Dunkelheit und schlechtem Wetter — nicht bei Sonnenschein. Viertens die Versorgung: Gibt es einen Laden im Tal, und ist er an deinem Anreisetag offen? In kleinen Gemeinden ist das keine Selbstverständlichkeit.
Fünftens die Rückfallebene: Was passiert, wenn der Weg wegen Schnee, Hochwasser oder Steinschlag gesperrt ist? Sechstens der Abfall: Alles, was du hochträgst, trägst du wieder hinunter — organische Reste eingeschlossen, weil sie in alpiner Höhe kaum verrotten und Wildtiere anziehen.
Wer diese sechs Punkte klärt, reist mit realistischen Erwartungen an. Das ist in der Schweiz wichtiger als anderswo, weil die Landschaft hier grosszügiger wirkt, als das Regelwerk ist — und weil ausgerechnet die schönsten Höhenbänder ökologisch die empfindlichsten sind.
FAQ
Wie weit kommst du in der Schweiz wirklich raus?
In der Schweiz entsteht Distanz vertikal. Das Land ist dicht besiedelt und erschlossen, aber über der Waldgrenze kippt die Erreichbarkeit innerhalb weniger Höhenmeter: Strasse endet, Seilbahn endet, Mobilfunk wird lückenhaft, und die letzte Stunde geht zu Fuss. Wer in der Schweiz rauswill, misst nicht in Kilometern ab Zürich, sondern in Höhenmetern ab der letzten befahrbaren Kehre.
Darfst du in der Schweiz frei übernachten?
Teilweise. Artikel 699 des Zivilgesetzbuchs macht Wald und Weide grundsätzlich zugänglich, regelt aber nur das Betreten, nicht das Übernachten. Campieren und Biwakieren sind kantonal und kommunal geregelt. Ein Notbiwak ist generell erlaubt. Eine einzelne, rücksichtsvolle Nacht einer kleinen Gruppe oberhalb der Waldgrenze gilt laut Schweizer Alpen-Club meist als unproblematisch, sofern keine lokale Regelung dagegensteht.
Wo ist freies Campieren in der Schweiz verboten?
Im Schweizerischen Nationalpark, in den eidgenössischen Jagdbanngebieten, in vielen Naturschutzgebieten und in Wildruhezonen während der Schutzzeit ist freies Campieren ausdrücklich untersagt oder wegen Betretungsverboten gar nicht möglich. Diese Verbote gelten unabhängig davon, wie rücksichtsvoll du dich verhältst.
Wie viele Schweizer Orte hat OFF GRID kuratiert?
Aktuell steht genau ein geprüfter Ort auf Schweizer Boden in unserem Bestand: die Alphütte Birbäumli in Luthern im Kanton Luzern. Das ist wenig, und wir schreiben es lieber hin, als die Liste mit grenznahen Objekten aus Deutschland aufzufüllen und sie schweizerisch zu nennen.
Welche Jahreszeit passt für Off-Grid in den Schweizer Bergen?
Die verlässliche Hochsaison für Höhenlagen liegt zwischen Ende Juni und Mitte Oktober, wenn Alpwege schneefrei und Alpbetriebe bewirtschaftet sind. September bringt klare Luft, frühe Dunkelheit und die ruhigsten Nächte. Winterlagen sind möglich, verschieben die Anforderung aber von Komfort zu Ausrüstung, Lawinenlage und Selbstversorgung.
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Quellen
- Schweizerisches Zivilgesetzbuch (SR 210), Art. 699 Zutritt zu Wald und Weide — Fedlex — Bundeskanzlei
Gesetzestext zum Zutrittsrecht auf Wald und Weide
- Campieren und Biwakieren — rechtliche Lage und Verhaltensregeln — Schweizer Alpen-Club SAC
Referenzstandard des nationalen Alpenverbands zum Biwakieren
- Merkblatt «Campieren und Biwakieren in den Schweizer Bergen» — Schweizer Alpen-Club SAC
Schriftliche Fassung mit Schutzgebietsliste und Abstandsregeln
- Eidgenössische Jagdbanngebiete — Bundesamt für Umwelt BAFU
Bundesinventar der Wildschutzgebiete mit Betretungsregeln
- Wildruhezonen und Wildschutzgebiete — Karten und Schutzzeiten — Wildruhezonen.ch (BAFU / Kantone)
Amtliche Kartengrundlage für saisonale Betretungsverbote
- Schweizerischer Nationalpark — Besuch und Parkregeln — Schweizerischer Nationalpark
Regelwerk des ältesten Nationalparks der Alpen
- SchweizMobil — Wander- und Routennetz — Stiftung SchweizMobil
Offizielle Routengrundlage für Zustiege ohne Auto



